Interview mit Martin Hammer, Berater für Fördermittel

Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sind Förderprogramme eine attraktive Möglichkeit, effizient Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Doch diese Fördermittel zu beantragen, ist eine Wissenschaft für sich.

Wir haben mit Fördermittelberater Martin Hammer von der SubVentCon GmbH gesprochen. Das Magdeburger Unternehmen hat seine Ursprünge im Jahr 2010. Seit 2020 ist die unabhängige Fördermittel- und Innovationsberatung Schwerpunkt des Unternehmens.

Martin Hammer Fördermittelberater

Als Schnittstelle zwischen Interessenten und Fördermittelgebenden unterstützt Martin Hammer KMUs
bei der Beantragung und Durchführung von Förder-
programmen und ist damit ein Bindeglied zwischen den beiden Welten - die der Unternehmer:innen mit denen der Sachbearbeiter:innen, die mit der Durchführung der Förderprogramme betraut sind. Im Interview steht er uns Rede und Antwort, um uns viele wichtige Details in Bezug
auf Fördermittel zu erläutern. 

 

René: Stellen Sie sich doch gern einmal kurz vor und erzählen Sie, was Sie so machen:

Martin Hammer: Hi, ich bin Martin Hammer und bin seit 2010 Unternehmensberater. Ursprünglich habe ich als Existenzgründungsberater angefangen und viele Jahre damit verbracht, Finanzierungen von Unternehmen zu ermöglichen und Businesspläne zu schreiben. Dadurch kam ich auch das erste Mal mit Fördermitteln in Kontakt. Jetzt mache ich zu 90-95% nur noch Fördermittelgeschäft. Des Weiteren gebe ich Finanzierungsberatungen, damit die Kunden ihr Vorhaben auch finanzieren können, wenn keine Förderung in Frage kommt.

 

René: Wie finden KMUs das richtige Förderinstrument?

Martin Hammer: Zum einen durch sehr intensive Recherche, aber auch durch Informationseinholung bei Fördermittelgebenden. Meistens bleiben aber aufgrund des Interpretationsspielraumes der Richtlinie auch da noch welche auf der Strecke.

Ein Beispiel: In Sachsen-Anhalt gibt es eine Digitalisierungsrichtlinie.
Ein Tischler wollte ein teures Werkzeug fördern lassen. Die Förderung hat jedoch nicht funktioniert, da es sich laut Fördermittelgeber eher um eine Automatisierung und weniger um eine Digitalisierung handelt, da die Umwandlung von analogen zu digitalen Schritten fehlt.
Schlussendlich hat er uns dann kontaktiert und um Hilfe gebeten. Wir haben der Maschine von ihm einen Barcode-Scanner hinzugefügt und schon war sie förderfähig.

Hier sieht man, dass man mit geringen Mehrkosten die Förderfähigkeit ermöglichen kann und das, durch den eigentlichen Interpretationsspielraum der Richtlinie.
Das Wichtigste dabei ist, dass das Gerät was gefördert werden soll, gut dargestellt wird.

 

René: Denken Sie, dass die genau formulierten Richtlinien manchmal nicht richtig von der eigentlichen Zielgruppe verstanden werden?

Martin Hammer: Ja, würde ich schon sagen, aber auch, dass die kreative Gestaltung des Vorhabens und die Lösungsorientierung in der Darstellung des Vorhabens meistens nicht vorhanden sind.

 

René: Und wie läuft so eine Förderung genau ab?

Martin Hammer: Es beginnt mit der Planung und Vorbereitung, in der Unternehmer:innen ein Investitionsvorhaben entwickeln und die ersten Kontakte suchen. Wenn es finanziert werden muss, sollte hier auch der Kontakt mit Banken, Fördermittelgebenden und –berater:innen bestehen.
Anschließend führt man die ersten Gespräche, um sich allgemeine Informationen zu möglichen Förderprogrammen einzuholen.
Im Anschluss wird das Vorhaben konkretisiert, indem die Vorhabensbeschreibung und sämtliche Antragsdokumente erstellt werden, bis schlussendlich die Beantragung eingereicht wird. Danach findet die Durchführung des Vorhabens statt und die Auszahlung und Abwicklung wird durchgeführt.

“Nicht nur Fördermittel bekommen, sondern auch Fördermittel behalten” - Demnach sollte alles so gestaltet werden, dass später nicht alles zurückgezahlt werden muss.

 

Du brauchst noch mehr Details zum Ablauf der Beantragung von Fördermitteln sowie die verschiedenen Arten von Förderprogrammen? Schau gern auf unseren Blogartikel "So beantragst du Fördermittel für dein Unternehmen".

 

René: Wo unterstützen Fördermittelberatende konkret? Und warum ist es sinnvoll sich beim Thema Fördermittel beraten zu lassen?

Martin Hammer: Es gibt verschiedene Punkte, warum sich Leute dagegen entscheiden, Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Eine von uns durchgeführte Umfrage ergab, dass es drei Hauptgründe gibt, warum keine Fördermittel in Anspruch genommen werden.

Unwissenheit (42 %): Das betrifft die Fördermittellandschaft oder –programme, aber auch die Anwendbarkeit - Wie kann ich ein Fördermittelprogramm nutzen, damit mein Vorhaben gefördert wird?
Im Digitalisierungsbereich ist es häufig so, dass Hardware ausgeschlossen ist, außer sie dient dazu, neu angeschaffte Software zu betreiben, die mit bisheriger Hardware nicht verträglich ist. In diesem Zusammenhang wird dann auch die Hardware förderbar.

Angst (38 %): Häufig sagen viele, dass alles mit den Fördermitteln nicht so funktioniert, weil jemand etwas Negatives darüber erzählt. Sei es Subventionsbetrug, Rückzahlungen oder selbst gemachte schlechte Erfahrungen.

Aufwand (20%): Der Aufwand ist hoch und im Optimalfall braucht man jemanden, der sich darum kümmert. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, welche wenig freie personelle und zeitliche Kapazitäten haben, haben das Problem, dass keiner Zeit hat, den Antrag überhaupt zu stellen. Oder es wird bereits vorweggesagt, dass es keine personellen Ressourcen dafür gibt.

In all diesen Bereichen können meine Kolleg:innen und ich unterstützen. Mit den meist kostenfreien Förder-Checks haben Unternehmen die Möglichkeit, risikolos zu überprüfen, ob es Förderinstrumente für ihr Vorhaben gibt. Gleichzeitig haben sie mit Fördermittelberater:innen Profis im Boot, die Aufwand und Risiko der Förderung deutlich reduzieren können. 

 

René: Woran scheitern KMUs oft, wenn es um die Beantragung von Fördermitteln geht?

Martin Hammer: Oft ist es der Arbeitsaufwand, der damit zusammenhängt. Manchmal aber auch daran, weil die Richtlinien nicht richtig erkannt werden und der Interpretationsspielraum in der Richtlinie nicht richtig gedeutet wird.
Außerdem sind die Informationen bei der Fördermittelbank meistens nicht interpretationsfähig, woran schlussendlich viele scheitern. Oft liegt der Fehler aber auch bei den Unternehmer:innen selbst: die wenigsten gestehen sich dabei jedoch ein, dass es eventuell an der Art der Antragsstellung lag oder an einem selbst.

 

René: Welche Tipps können sie KMUs geben, wenn es um die Akquise von Fördermitteln geht?

Martin Hammer:

  1. Hole dir fachlichen und unabhängigen Rat ein!
  2. Viele Fördermittelberater:innen bieten kostenfreie und unabhängige Fördermittelchecks an! Das ist gut für erste Infos und die Struktur des Invenstitionsprojektes.
  3. Denke nicht nur an die Antragsstellung, sondern auch an die Abwicklung der Fördermittel. Bekommt man das Projekt wirklich so umgesetzt?
  4. Keine Falschangaben machen und Formfehler begehen. Das geht schnell in Richtung Subventionsbetrug und ist eine sehr heikle Sache.
  5. Führe die Auftragsvergabe formell richtig durch. Ab 5.000€ muss beispielsweise eine kleine Ausschreibung durchgeführt werden, dann braucht man drei Vergleichsangebote und muss eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchführen.

 

René: Welche Fördermittel sind besonders geeignet, wenn es um die Digitalisierung geht?

Martin Hammer: Wenn es grundsätzlich darum geht, Prozesse zu digitalisieren, dann würde ich empfehlen, sich akkreditierte Berater von der “Go Digital-Richtlinie" zu suchen und es gemeinsam mit denen anzugehen. Außerdem gibt es “Digital Jetzt”, dieses Programm ist aber schwer im Zugang, weil via Losverfahren entschieden wird. Demnach kann man damit rechnen, dass nur 2-3% der Anträge bewilligt werden und in die nächste Los-Ebene kommen. Ansonsten würde ich empfehlen, auf die Landesebene zurückzugreifen und zu schauen, welche Angebote die Landesbank anbietet. Außerdem sind die meistens auch höher dotiert und besser aufgestellt, was jedoch auch nach Bundesland variiert.

 

René: Vielen Dank für die ganzen Informationen und das spannende Interview!

 

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